Permanent Capital. Warum der Mittelstand keine Fund-Laufzeit verträgt.
Klassische Private-Equity-Fonds operieren mit fünf- bis siebenjährigen Halteperioden. Der deutsche Mittelstand denkt in Generationen. Über die strukturelle Inkompatibilität und unsere Antwort darauf.
Die Geburtsfehler klassischer Fondsstrukturen
Ein klassischer Buyout-Fonds wird mit einer Laufzeit von zehn Jahren aufgesetzt. Davon entfallen typischerweise drei bis fünf Jahre auf die Investitionsphase und vier bis sieben Jahre auf den Exit-Korridor. Die Konsequenz für jedes Portfoliounternehmen ist klar. Der Verkauf ist nicht eine Option. Er ist eine Verpflichtung.
Diese Struktur funktioniert für eine bestimmte Klasse von Geschäftsmodellen. Software-Unternehmen mit klar wachsenden Recurring Revenues. Roll-Ups in fragmentierten Märkten. Unternehmen, die innerhalb weniger Jahre auf eine bestimmte EBITDA-Schwelle gebracht werden können.
Sie funktioniert nicht für den deutschen Mittelstand. Nicht für Unternehmen, deren Substanz aus dreißig oder fünfzig Jahren operativer Disziplin entstanden ist. Nicht für Familienbetriebe, die in Generationen denken.
Was der Mittelstand wirklich braucht
Wenn Sie als Eigentümer einer mittelständischen Maschinenbaufirma überlegen, einen Investor an Bord zu nehmen, sind Sie nicht auf einen Verkauf in fünf Jahren aus. Sie suchen jemanden, der Ihre Substanz versteht und sie weitertragen wird. Das ist eine grundsätzlich andere Konstellation.
Permanent Capital löst dieses Problem strukturell. Es gibt keine Fund-Laufzeit. Es gibt keinen Ausschuss, der nach sechs Jahren auf einen Exit drängt. Es gibt nur ein Versprechen. Wir bleiben so lange, wie das Unternehmen Substanz hat. Punkt.
Der deutsche Mittelstand denkt in Generationen. Das verträgt sich nicht mit einer fünfjährigen Fund-Laufzeit.
Was das in der Praxis bedeutet
Drei konkrete Konsequenzen.
Erstens. Investitionen in operative Verbesserungen. Ein Investor mit fünfjährigem Horizont schreckt vor Investitionen zurück, deren Pay-Off erst nach acht Jahren eintritt. Wir nicht. Wenn eine Anlage zwei Jahre braucht, um sich zu amortisieren, und danach fünfzehn Jahre Cashflow liefert, ist sie für uns wertvoller als ein Quick-Win, der im selben Zeitraum die Hälfte erwirtschaftet.
Zweitens. Aufbau von Bolt-On-Plattformen ohne Zeitdruck. Wenn wir eine Plattform aufbauen, dann nicht, weil wir sie in vier Jahren wieder verkaufen wollen. Wir bauen sie, weil sie operativ Sinn ergibt. Das gibt uns die Geduld, auf die richtigen Targets zu warten und faire Preise zu verhandeln.
Drittens. Personalpolitik mit Substanz. Schlüsselpersonen, die wir einstellen, bleiben. Nicht weil sie müssen, sondern weil sie wissen, dass sie nicht in zwei Jahren wieder unter neuem Management arbeiten werden. Das verändert die Qualität der Bewerber, die wir gewinnen können, fundamental.
Die Kosten dieser Disziplin
Permanent Capital hat einen Preis. Wir können nicht jährlich neue Fonds auflegen und Gebühren skalieren. Wir können keine Multiple-Arbitrage über kurzfristige Verkäufe darstellen. Wir wachsen langsamer als ein Fund-of-Fund-Modell wachsen würde.
Wir akzeptieren das. Es ist der Preis dafür, dass wir Eigentümern ein Versprechen geben können, das wir auch halten. Nicht weil wir es marketingtechnisch behaupten, sondern weil unsere Struktur es zwingend macht.
Was Eigentümer prüfen sollten
Wenn Sie mit einem Investor sprechen, stellen Sie eine Frage. Welche Fund-Laufzeit gilt für Ihre Beteiligung. Wenn die Antwort eine Zahl in Jahren ist, wissen Sie, dass es einen erzwungenen Exit geben wird. Das ist nicht falsch. Es ist nur etwas anderes als das, was wir anbieten.
Tactical Management ist keine bessere Variante eines klassischen PE-Fonds. Wir sind eine andere Variante. Für eine andere Sorte Unternehmen.
Dieser Beitrag ist Teil unserer Reihe zu den Strukturfragen des europäischen Mittelstands. Verfasst von Dr. Raphael Nagel, Gründungspartner. Anfragen unter Verschwiegenheitspflicht.