Die Ausgangslage: Disruption des Kerngeschäfts durch E-Mobilität
Das Unternehmen produzierte mechanische Komponenten für Verbrennungsmotoren – Pleuelstangen, Kurbelwellen-Lagerschalen und Steuerketten-Komponenten – mit drei deutschen OEMs als Hauptkunden (~85% Umsatzanteil). Drei Werke in NRW, 410 Mitarbeiter, €68M Umsatz, 60 Jahre Familienbesitz.
Mit dem 2035-Verbrenner-Ende und der beschleunigten E-Mobilitäts-Transformation der OEMs brachen 30% des Auftragsbestands binnen 18 Monaten weg. Die Eigentümerfamilie hatte 2021 noch €12M in Modernisierung der Verbrenner-Linien investiert – eine Fehlinvestition aus heutiger Sicht.
Im Q3 2023 wurde der Schutzschirm-Antrag gestellt (§ 270b InsO). Der Sachwalter beauftragte einen geordneten M&A-Prozess mit Mindestpreis und Standort-/Beschäftigungs-Auflagen. Wir reichten ein Indikatives Angebot zwei Wochen nach Eröffnung des Verfahrens ein.
Was wir taten: Erwerb in Eigenverwaltung + 14-Monats-Repositionierung
Phase 1 – Erwerb (Wochen 1–11): Strukturierter Asset-Deal aus der Eigenverwaltung mit dem Sachwalter. Die Verbindlichkeiten gegenüber Gläubigerausschuss, Banken und Sozialversicherung wurden im Insolvenzplan geregelt. Wir übernahmen das operative Anlagevermögen, die Markenrechte, die Kundenverträge und 410 von 410 Arbeitsplätzen.
Phase 2 – Stabilisierung (Monate 1–6): Sofortige Reduzierung der Verbrenner-Linien auf 60% der Vor-Insolvenz-Kapazität. Verhandlung mit den drei OEM-Hauptkunden über Mindest-Abnahmevolumina für Verbrenner-Komponenten bis 2030 (gegen Preisanpassung). Aufnahme eines €4M Investitions-Programms in E-Mobilitäts-Komponenten (Rotor-Lamellen-Pakete und E-Motor-Strukturkomponenten).
Phase 3 – Wende (Monate 7–14): Inbetriebnahme der ersten E-Mobilitäts-Produktionslinie in Werk 1. Erste OEM-Aufträge für E-Komponenten unterzeichnet – €18M Auftragsvolumen über 4 Jahre. Schließung der unrentabelsten Verbrenner-Linie in Werk 2 (in Werk 1 konsolidiert, keine betriebsbedingten Kündigungen).
Ergebnis: EBITDA-Marge dreht von −6% auf +4%. E-Mobilitäts-Anteil am Auftragsbestand wächst von 0% auf 22%. Verbrenner-Anteil sinkt geordnet, statt katastrophal.
Signature-Element: OEM-Verhandlung über Verbrenner-Sunset
Der kritische Hebel war nicht die E-Mobilitäts-Investition. Es waren die OEM-Verhandlungen über den geordneten Sunset des Verbrenner-Geschäfts.
Die drei OEMs hatten ein eigenes Interesse an einer geordneten Abwicklung: Eine ungeordnete Insolvenz unseres Zulieferers hätte Produktionsstillstand bei ihnen verursacht. Wir nutzten dieses Interesse, um Mindest-Abnahme-Verpflichtungen bis 2030 zu erhalten – gegen Preisanpassungen von 8–12%, die den verbleibenden Verbrenner-Block profitabel machten.
Diese OEM-Vereinbarungen waren das Substrat für die E-Mobilitäts-Investition: Sie sicherten den Cashflow der nächsten 6 Jahre, während wir das neue Produktportfolio aufbauten. Ohne diese Verhandlung wäre eine 14-Monats-Wende nicht machbar gewesen.
