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Case Study · Turnaround · Nordrhein-Westfalen

EBITDA-Wende von −6% auf +4% in 14 Monaten: Erwerb eines Tier-2-Automobilzulieferers in NRW aus dem Schutzschirm.

Tier-2-Zulieferer mit €68M Umsatz und 410 Mitarbeitern, am Rand des Insolvenzantrags wegen E-Mobilitäts-Disruption. Übernahme in Eigenverwaltung, operative Wende in 14 Monaten.

Year of Exit 2024 · Eigenverwaltung-Erwerb · 14 Monate Turnaround

Im Wege der übertragenden Sanierung übernahm Tactical Management AG 2024 (Schutzschirmverfahren §270d InsO) einen Tier-2-Automobilzulieferer in Nordrhein-Westfalen mit €68 Mio. Umsatz und 410 Mitarbeitern. In 14 Monaten wurde die operative EBITDA-Marge von −6% auf +4% gedreht – durch Repositionierung auf E-Mobilitäts-Komponenten, OEM-Vertragsverhandlung für geordneten Verbrenner-Sunset bis 2030 und Stilllegung der unrentabelsten Verbrenner-Linien. Alle 410 Arbeitsplätze gesichert.

Diese Fallstudie dokumentiert einen Tactical-Erwerb in der frühesten Phase eines Insolvenzverfahrens: Eigenverwaltung mit Schutzschirm. Der Fall steht stellvertretend für die strukturelle Krise der Tier-2-Automobilzulieferer in Deutschland – Unternehmen mit hervorragender Substanz, deren Produktportfolio von der E-Mobilitäts-Transformation überholt wird, bevor sie die Investitionen in neue Produktlinien refinanzieren können.

Die Ausgangslage: Disruption des Kerngeschäfts durch E-Mobilität

Das Unternehmen produzierte mechanische Komponenten für Verbrennungsmotoren – Pleuelstangen, Kurbelwellen-Lagerschalen und Steuerketten-Komponenten – mit drei deutschen OEMs als Hauptkunden (~85% Umsatzanteil). Drei Werke in NRW, 410 Mitarbeiter, €68M Umsatz, 60 Jahre Familienbesitz.

Mit dem 2035-Verbrenner-Ende und der beschleunigten E-Mobilitäts-Transformation der OEMs brachen 30% des Auftragsbestands binnen 18 Monaten weg. Die Eigentümerfamilie hatte 2021 noch €12M in Modernisierung der Verbrenner-Linien investiert – eine Fehlinvestition aus heutiger Sicht.

Im Q3 2023 wurde der Schutzschirm-Antrag gestellt (§ 270b InsO). Der Sachwalter beauftragte einen geordneten M&A-Prozess mit Mindestpreis und Standort-/Beschäftigungs-Auflagen. Wir reichten ein Indikatives Angebot zwei Wochen nach Eröffnung des Verfahrens ein.

Was wir taten: Erwerb in Eigenverwaltung + 14-Monats-Repositionierung

Phase 1 – Erwerb (Wochen 1–11): Strukturierter Asset-Deal aus der Eigenverwaltung mit dem Sachwalter. Die Verbindlichkeiten gegenüber Gläubigerausschuss, Banken und Sozialversicherung wurden im Insolvenzplan geregelt. Wir übernahmen das operative Anlagevermögen, die Markenrechte, die Kundenverträge und 410 von 410 Arbeitsplätzen.

Phase 2 – Stabilisierung (Monate 1–6): Sofortige Reduzierung der Verbrenner-Linien auf 60% der Vor-Insolvenz-Kapazität. Verhandlung mit den drei OEM-Hauptkunden über Mindest-Abnahmevolumina für Verbrenner-Komponenten bis 2030 (gegen Preisanpassung). Aufnahme eines €4M Investitions-Programms in E-Mobilitäts-Komponenten (Rotor-Lamellen-Pakete und E-Motor-Strukturkomponenten).

Phase 3 – Wende (Monate 7–14): Inbetriebnahme der ersten E-Mobilitäts-Produktionslinie in Werk 1. Erste OEM-Aufträge für E-Komponenten unterzeichnet – €18M Auftragsvolumen über 4 Jahre. Schließung der unrentabelsten Verbrenner-Linie in Werk 2 (in Werk 1 konsolidiert, keine betriebsbedingten Kündigungen).

Ergebnis: EBITDA-Marge dreht von −6% auf +4%. E-Mobilitäts-Anteil am Auftragsbestand wächst von 0% auf 22%. Verbrenner-Anteil sinkt geordnet, statt katastrophal.

Signature-Element: OEM-Verhandlung über Verbrenner-Sunset

Der kritische Hebel war nicht die E-Mobilitäts-Investition. Es waren die OEM-Verhandlungen über den geordneten Sunset des Verbrenner-Geschäfts.

Die drei OEMs hatten ein eigenes Interesse an einer geordneten Abwicklung: Eine ungeordnete Insolvenz unseres Zulieferers hätte Produktionsstillstand bei ihnen verursacht. Wir nutzten dieses Interesse, um Mindest-Abnahme-Verpflichtungen bis 2030 zu erhalten – gegen Preisanpassungen von 8–12%, die den verbleibenden Verbrenner-Block profitabel machten.

Diese OEM-Vereinbarungen waren das Substrat für die E-Mobilitäts-Investition: Sie sicherten den Cashflow der nächsten 6 Jahre, während wir das neue Produktportfolio aufbauten. Ohne diese Verhandlung wäre eine 14-Monats-Wende nicht machbar gewesen.

Transaktionsdetails

Jahr des Exits

2024

Geographie

Nordrhein-Westfalen

Sektor

Automobilzulieferer Tier-2 (Metallumformung, mechanische Komponenten)

Mandatstyp

Erwerb aus Eigenverwaltung (Schutzschirm § 270b InsO)

Timeline

11 Wochen (Schutzschirm bis Closing) + 14 Monate Turnaround

Outcome

EBITDA-Wende von −6% auf +4%

Kennzahlen

+10pp

EBITDA-Marge in 14 Monaten

€68M

Umsatz erhalten

410

Arbeitsplätze gesichert

Ablauf

Von der Sondierung zum Closing

01

Schutzschirm-Sondierung

Vertraulicher Erstkontakt mit Sachwalter und Schuldner-Management noch im laufenden Schutzschirm. NDA und Datenraumzugang innerhalb von 5 Werktagen.

02

Indikatives Angebot

Bewertung auf Basis normalisierter Stand-Alone-Earnings nach Eliminierung Schadensersatz-Belastung. Asset-Deal-Architektur mit Standort- und Beschäftigungs-Zusagen.

03

Due Diligence parallel zum Schutzschirm

Kommerziell (95% Auftragsbestände fortführbar), finanziell (EBITDA-Potenzial 8-10% nach Bereinigung), rechtlich (Genehmigungen, §613a-Folgen), technisch (Anlagenzustand).

04

OEM-Verhandlung Verbrenner-Sunset

Verhandlung mit 3 OEMs über Mindest-Abnahme-Verpflichtungen Verbrenner-Komponenten bis 2030 gegen Preisanpassung 8-12%.

05

Asset-Closing aus Eigenverwaltung

Asset-Kaufvertrag mit dem Sachwalter. Übergang aller Anlagen, Markenrechte, Kundenverträge und 410 Arbeitsverhältnisse.

06

Repositionierung E-Mobilität

€4M Investitions-Programm in E-Mobilitäts-Komponenten (Rotor-Lamellen, E-Motor-Strukturkomponenten). Inbetriebnahme erste Linie nach 9 Monaten.

07

EBITDA-Wende

E-Mobilitäts-Anteil 0% → 22%. EBITDA-Marge −6% → +4%. Geordneter Verbrenner-Sunset statt katastrophalen Wegfall.

Ergebnisse

Jeder Workstream geliefert

KennzahlVor MandatErgebnis
Umsatz €68M (projiziert sinkend) €71M (Jahr 1 nach Übernahme)
EBITDA-Marge −6% +4%
Headcount 410 410 (keine betriebsbedingten Kündigungen)
E-Mobilitäts-Anteil am Auftragsbestand 0% 22%
OEM-Verträge mit Abnahmeverpflichtung 2030 Keine 3 von 3 OEMs unterzeichnet
Investition in E-Mobilitäts-Linien €0 €4M in 14 Monaten
Exit Insolvenz EBITDA-positiv im Jahr 1

Häufige Fragen

FAQ

Was ist ein Erwerb aus Eigenverwaltung und wie unterscheidet er sich von einem Asset Deal aus dem Regelverfahren?

Eigenverwaltung (§ 270 ff. InsO) ist ein Insolvenzverfahren, in dem das Management des Schuldners das Tagesgeschäft weiterführt – überwacht von einem Sachwalter. Der Vorteil für einen Käufer: höhere operative Kontinuität, weniger Diskontinuität bei Kunden, Mitarbeitern und Lieferanten. Das Verfahren ist typisch 4–8 Monate kürzer als das Regelverfahren. Voraussetzung: Eigenverwaltungsfähigkeit muss gerichtlich anerkannt sein.

Wie übernimmt Tactical OEM-Verträge mit deutscher Automobil-Industrie nach einem Insolvenzantrag?

Vertraglich sind die OEM-Rahmenverträge in der Insolvenz nicht automatisch übertragbar. Wir verhandeln mit den OEMs während des Schutzschirms: Tactical bietet Kontinuität (Produktionskapazität, Qualität, Logistik), die OEMs sichern Abnahmeverpflichtungen für eine definierte Laufzeit. Beide Seiten profitieren – der OEM vermeidet Produktionsstillstand, wir erhalten Cashflow-Sicherheit für die Repositionierung.

Warum übernimmt Tactical Verbrenner-Zulieferer, wenn das Geschäft strukturell ausläuft?

Weil das Verbrenner-Geschäft nicht 2035 endet, sondern 2035 endet die Neuzulassung. Der Bestand bleibt bis ca. 2050 in Wartung und Ersatzteilversorgung. Mit Preisanpassungen kann der Verbrenner-Block bis dahin profitabel betrieben werden, während parallel E-Mobilitäts-Linien aufgebaut werden. Die Kunst ist der geordnete Sunset, nicht die abrupte Stilllegung.

Welche Größenordnung von Automobilzulieferern übernimmt Tactical?

Tier-2 mit Umsatz €30–200M ist der Sweet Spot. Tier-1 ist meist zu groß für Mittelstand-Strukturen, Tier-3 hat zu wenig Verhandlungsmacht gegenüber OEMs. Wir prüfen Tier-1-Sondersituationen bei klarer Carve-out-Architektur.

Wie schnell muss eine Übernahme nach Schutzschirm-Antrag erfolgen?

Der Schutzschirm läuft maximal 3 Monate. In dieser Zeit muss der Insolvenzplan ausgearbeitet, der Käufer gefunden und das Closing vollzogen werden. Realistisches Mindesttempo: 10–14 Wochen von Indikativem Angebot bis Closing. Wir haben im konkreten Fall 11 Wochen geschafft.

Welche Standort- und Beschäftigungszusagen gibt Tactical bei Automotive-Übernahmen aus der Insolvenz?

Im konkreten Fall: keine betriebsbedingten Kündigungen über 24 Monate, Erhalt aller drei Werke (mit interner Konsolidierung von Linien, nicht Standortschließungen), Erhalt der Tarifbindung. Diese Zusagen sind Vertragsbestandteil des Erwerbs und werden gegenüber Sachwalter und Betriebsrat dokumentiert.

Illustrative Tactical-Beispieltransaktion auf Basis typischer DACH-Mittelstand-Distress-Muster. Kennzahlen, Größenklassen und Zeitlinien entsprechen marktüblichen Werten; eine Identifikation mit einer konkreten Transaktion ist nicht beabsichtigt. Verfasst zur Veranschaulichung der Tactical-Methode.

Eine Aktion

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