Die Ausgangslage: Drei Generationen, keine vierte
Das Unternehmen wurde 1962 vom Großvater des Verkäufers gegründet, in den 80er-Jahren vom Vater übernommen und seit den späten 90ern vom aktuellen Geschäftsführer (Alter 67) geführt. Spezialgebiet: Verpackungsmaschinen für die Lebensmittelindustrie, mit langjährigen OEM-Kunden im DACH-Raum und einer Tochtergesellschaft in Norditalien.
Die drei Kinder des Geschäftsführers hatten sich gegen eine operative Nachfolge entschieden – ein Sohn in der Wissenschaft, eine Tochter in der Medizin, ein weiterer Sohn im Investmentbanking in London. Die Eigentümerfamilie wollte das Unternehmen erhalten, aber nicht selbst weiterführen.
Parallel hatte sich Liquiditätsdruck aufgebaut: ein notwendiger Maschinenpark-Modernisierungs-Schritt war 2022/23 nicht finanziert worden (Banken sahen das Nachfolge-Risiko), Aufträge verschoben sich, das Working Capital verschlechterte sich. Die Hausbank deutete Anfang 2024 an, dass eine Lösung der Eigentümerfrage Voraussetzung für die nächste Kreditperiode sei.
Die Eigentümerfamilie hatte erfolglos einen M&A-Prozess mit zwei Mittelstand-Beratungen versucht – die Anfragen kamen entweder von Strategie-Wettbewerbern (Risiko des Know-how-Abflusses), von Search Funds (zu klein und zu jung für die Verantwortung) oder von Klassik-PE (Renditeerwartung und 5-Jahres-Exit-Logik nicht kompatibel). Über die IHK-Nachfolge-Plattform wurden wir kontaktiert.
Was wir taten: Erwerb mit Permanent-Capital-Logik in 11 Wochen
Wochen 1–3: Erstkontakt, NDA, Datenraumzugang, indikatives Angebot. Tactical kommunizierte klar: Permanent-Capital-Haltung (kein 5-Jahres-Exit-Druck), Standort- und Beschäftigungserhalt, Übernahme der Verantwortung für die strategische Weiterentwicklung. Die Familie war erleichtert über die Erwartungsklarheit.
Wochen 4–8: Due Diligence (kommerziell, finanziell, technisch, rechtlich, italienische Tochtergesellschaft separat). Verhandlung mit der Hausbank über eine neue Kreditperiode unter Tactical-Eigentümerschaft (€6M Investitionslinie für Maschinenpark-Modernisierung, plus Verlängerung der bestehenden Working-Capital-Linie). Strukturvorschlag: Share Deal über die deutsche Holding inkl. Italien-Tochter.
Wochen 9–11: Vertragsverhandlung, Closing, Übergabe. Closing fand mit allen drei Eigentümern (Geschäftsführer und zwei Familienstämme aus dem Erbgang) in einem koordinierten Termin statt. Der Senior-Geschäftsführer blieb für 12 Monate als Beirat zur Übergabe-Unterstützung, danach Rückzug. Eine neue operative Geschäftsführung (intern befördert) übernahm sofort.
Nach Closing: Maschinenpark-Modernisierung in Q3 begonnen, 2 neue OEM-Aufträge nach Modernisierungs-Signaling, Working Capital normalisiert sich, Hausbank-Linie um 20% erweitert.
Signature-Element: Permanent-Capital-Logik in der Nachfolge-Kommunikation
Der entscheidende kommerzielle Hebel war nicht der Kaufpreis. Es war die glaubwürdige Permanent-Capital-Logik.
Klassische PE-Investoren stoßen bei Familienunternehmen in Nachfolgekrisen oft auf Misstrauen – berechtigt: Ein 4–7-Jahres-Exit-Druck ist mit dem Lebenswerk-Charakter eines Familienunternehmens schwer kompatibel. Mitarbeiter und Kunden spüren das. Eigentümerfamilien zögern, weil sie nicht möchten, dass das Unternehmen nach 4 Jahren wieder verkauft wird.
Tactical kommuniziert explizit eine Permanent-Capital-Haltung: Wir halten Beteiligungen, weil sie sich entwickeln, nicht weil ein Exit fehlt. Beteiligungen werden über Zyklen hinweg gehalten, weiterentwickelt, manchmal aufgebaut, manchmal konsolidiert – aber nicht zum festen Termin verkauft. Diese Logik schafft Vertrauen bei Eigentümerfamilien, bei Mitarbeitern, bei Kunden.
Im konkreten Fall war die Permanent-Capital-Logik der entscheidende Faktor: Zwei höhere PE-Angebote wurden abgelehnt zugunsten unserer Struktur, weil die Familie das Lebenswerk in unseren Händen erhalten wissen wollte.
