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Case Study · Sondersituation · Österreich

+8,5pp EBITDA-Marge in 18 Monaten: Sondersituationen-Erwerb eines österreichischen 3PL-Logistikdienstleisters.

3PL-Dienstleister mit €38M Umsatz und 145 Mitarbeitern, drohende Überschuldung. Erwerb außerhalb des Insolvenzverfahrens mit Eigenkapital-Spritze und operativer Repositionierung.

Year of Exit 2024 · Sondersituationen-Erwerb · 18 Monate Recovery

Außerhalb eines Insolvenzverfahrens übernahm Tactical Management AG 2024 einen österreichischen 3PL-Logistikdienstleister mit €38 Mio. Umsatz und 145 Mitarbeitern in der Wien-Region. In 18 Monaten wurde die EBITDA-Marge von −3% auf +5,5% gedreht – durch Kunden-Vertrags-Renegotiation mit Lohn- und Energie-Eskalations-Klauseln, Aufbau eines E-Commerce-Fulfillment-Geschäfts und €3,5 Mio. Eigenkapital-Spritze von Tactical. Alle 145 Arbeitsplätze gesichert.

Eine Sondersituation ist nicht zwingend eine Insolvenz. Häufig liegt sie davor: Eigenkapital ist erodiert, Banken signalisieren Kreditrahmen-Einschränkungen, Lieferanten verkürzen Zahlungsziele – aber das Unternehmen ist noch nicht insolvenzantragspflichtig. Genau in dieser Phase ist eine Restrukturierung am wertvollsten – für alle Beteiligten.

Die Ausgangslage: Vor der Insolvenz, aber nicht mehr selbst tragfähig

Das Unternehmen betrieb zwei Logistikzentren in der Wien-Region mit Schwerpunkt Kontraktlogistik für Konsumgüter und Elektronik. Drei Familienstämme als Eigentümer, 145 Mitarbeiter, €38M Umsatz, EBITDA-Marge schwankte zwischen −5% und 0% in den letzten drei Jahren.

Auslöser der Sondersituation: stark gestiegene Lohnkosten in Österreich nach Tarifabschlüssen 2022/23, Energiekostenexplosion in den Lagern (Heizung, Beleuchtung, Kühlung), und der Verlust eines Großkunden (~€6M Umsatzbeitrag jährlich) im Q4 2023. Das Eigenkapital war von €4,2M auf €0,8M innerhalb von 24 Monaten erodiert.

Die Hausbank signalisierte Anfang 2024, dass die Kreditlinie nicht verlängert würde, wenn keine substantielle Eigenkapital-Stärkung erfolgt. Die Eigentümerfamilien waren weder bereit noch in der Lage, weiteres Eigenkapital nachzuschießen.

Es war keine Insolvenzantragspflicht gegeben (noch nicht zahlungsunfähig, noch nicht überschuldet im rechtlichen Sinne), aber die nächsten 6 Monate hätten sehr wahrscheinlich zur Pflicht geführt. Das ist der klassische Zeitpunkt für Tactical.

Was wir taten: Erwerb plus Eigenkapital-Spritze, dann Repositionierung

Phase 1 (Wochen 1–14): Erwerb. Strukturierter Share Deal mit allen drei Eigentümerfamilien. Erwerbspreis fair, aber nicht hoch – die Eigentümer waren froh über eine geordnete Lösung, die das Unternehmen erhielt. Gleichzeitig €3,5M Eigenkapital-Spritze von Tactical bei Closing, was die Bilanz stabilisierte und die Hausbank-Kreditlinie sicherte.

Phase 2 (Monate 1–6): Stabilisierung. Sofortige Renegotiation der Kundenverträge mit Preisanpassungen (Lohn- und Energie-Eskalations-Klauseln, die in den Altverträgen fehlten). Energiekosten-Hedging über Forward-Kontrakte für 12 Monate. Reduzierung der Lagerfläche um 20% durch Verdichtung in Logistikzentrum 1.

Phase 3 (Monate 7–18): Repositionierung. Aufbau eines spezialisierten E-Commerce-Fulfillment-Geschäfts in Logistikzentrum 2 (höhere Marge als klassische B2B-Kontraktlogistik). Drei neue Kunden gewonnen, davon zwei aus dem deutschen E-Commerce-Markt mit Österreich-Lager-Bedarf. Implementierung eines Daily-Treasury-Reporting und einer Kosten-pro-Auftrag-KPI-Steuerung.

Nach 18 Monaten: EBITDA-Marge +5,5%, Eigenkapital wieder auf €4,8M, Kreditlinie um 30% reduziert (weil Cash-Generierung gestiegen war), alle 145 Arbeitsplätze erhalten.

Signature-Element: Kundenvertrags-Renegotiation in der Krise

Der entscheidende Hebel war nicht die Eigenkapital-Spritze (die stabilisierte die Bilanz), sondern die Renegotiation der Kundenverträge in den ersten 6 Monaten nach Übernahme.

Die Altverträge der Eigentümerfamilien waren in einer anderen Kostenwelt geschlossen worden (2018–2020) und enthielten keine adäquaten Eskalations-Klauseln für Lohn- und Energiekosten. Die Eigentümer hatten sich nicht getraut, mit Kunden über Preisanpassungen zu sprechen, weil sie Kundenverlust fürchteten.

Wir haben mit allen Top-15-Kunden direkt verhandelt – mit klarem Argument: ‚Wir können diese Verträge zu diesen Konditionen nicht fortführen. Wir bieten Ihnen drei Optionen: Preisanpassung, Volumenanpassung, oder geordnete Vertragsauflösung mit Übergangsfrist.‘ Bei 13 von 15 Kunden führte das zu fairen Preisanpassungen (im Schnitt +8%). Zwei Kunden wechselten – aber die Marge der verbleibenden Verträge war besser als die der bisherigen 15.

Transaktionsdetails

Jahr des Exits

2024

Geographie

Österreich (Wien-Region)

Sektor

Logistik 3PL (Kontraktlogistik, Lager, Distribution)

Mandatstyp

Sondersituationen-Erwerb außerhalb der Insolvenz

Timeline

14 Wochen (LOI bis Closing) + 18 Monate Recovery

Outcome

EBITDA-Wende von −3% auf +5,5%

Kennzahlen

+8,5pp

EBITDA-Marge in 18 Monaten

€38M

Umsatz erhalten

145

Arbeitsplätze gesichert

Ablauf

Von der Sondierung zum Closing

01

Erstkontakt vor Insolvenzantragspflicht

Sondierung mit Eigentümerfamilien und Hausbank, bevor Insolvenzantragspflicht eintritt. Klassischer Vor-Insolvenz-Zeitpunkt für Tactical.

02

Strukturierter Erwerb mit EK-Spritze

Share Deal mit allen drei Eigentümerfamilien plus €3,5M Eigenkapital-Spritze bei Closing zur Bilanz-Stabilisierung.

03

Hausbank-Renegotiation

Bestätigung der Kreditlinie unter Tactical-Eigentümerschaft, gegen die neue Eigenkapital-Basis.

04

Kunden-Vertrags-Renegotiation

Renegotiation mit Top-15-Kunden inklusive Lohn- und Energie-Eskalations-Klauseln, die in den Altverträgen fehlten. Preisanpassungen +8% im Schnitt.

05

Energiekosten-Hedging

Forward-Kontrakte über 12 Monate zur Stabilisierung der Logistikzentrum-Energiekosten.

06

E-Commerce-Fulfillment-Aufbau

Aufbau eines spezialisierten E-Commerce-Fulfillment-Geschäfts in Logistikzentrum 2 (höhere Marge als klassische B2B-Kontraktlogistik).

07

EBITDA-Wende

Daily-Treasury-Reporting, Kosten-pro-Auftrag-KPI-Steuerung. EBITDA-Marge −3% → +5,5%. Eigenkapital regeneriert auf €4,8M.

Ergebnisse

Jeder Workstream geliefert

KennzahlVor MandatErgebnis
Umsatz €38M (mit gestresster Margen-Struktur) €41M (Jahr 1,5 nach Übernahme)
EBITDA-Marge −3% +5,5%
Eigenkapital €0,8M (erodiert) €4,8M (regeneriert)
Headcount 145 145 (alle erhalten)
Bank-Kreditlinien-Inanspruchnahme 100% gezogen 70% gezogen (Linie um 30% reduzierbar)
Kunden-Mix 100% klassisches B2B-Kontraktlogistik 75% B2B, 25% E-Commerce-Fulfillment (höhermargig)
Exit Drohende Insolvenzantragspflicht Stabile, profitable Stand-Alone-Logistik

Häufige Fragen

FAQ

Was ist eine Sondersituation außerhalb der Insolvenz und wann ist Tactical der richtige Partner?

Eine Sondersituation ist eine wirtschaftliche Lage, in der das Unternehmen nicht mehr aus eigener Kraft heraus stabilisiert werden kann, aber noch nicht insolvenzantragspflichtig ist. Typische Anzeichen: erodiertes Eigenkapital, Bankenkredit-Limit-Stress, Lieferantenzahlungsziel-Verkürzungen, Verlust von Schlüsselkunden. In dieser Phase ist eine externe Lösung am wertvollsten, weil Substanz und Optionen noch erhalten sind. Tactical ist genau dann der richtige Partner, wenn Substanz vorhanden und ein Eigentümerwechsel die Lösung ist.

Warum nicht erst die Insolvenz abwarten und dann Asset Deal machen?

Weil im Insolvenzverfahren wesentliche Substanz verloren geht. Kunden ziehen Aufträge ab (Risiko-Management), Schlüsselmitarbeiter wandern ab (Karriereunsicherheit), Lieferanten verlangen Vorkasse (Erstarrung des Working Capital), Banken kündigen Kreditlinien (Liquiditätsdruck). Eine Vor-Insolvenz-Lösung ist für die Eigentümerfamilien (geordneter Verkauf), die Mitarbeiter (keine Insolvenz-Folge-Wirkung) und uns als Käufer (mehr Substanz, weniger Friktion) wirtschaftlich besser.

Wie strukturiert Tactical einen Sondersituationen-Erwerb mit Eigenkapital-Spritze?

Typisch als Share Deal mit kombinierter Erwerbs- und Kapitalerhöhungs-Struktur. Wir zahlen einen Erwerbspreis an die Alteigentümer (oft niedrig, weil die Alternativen schlecht sind) und gleichzeitig einen separaten Betrag als Kapitalerhöhung in die Gesellschaft. Die Kapitalerhöhung stabilisiert die Bilanz, sichert die Bankenfinanzierung und finanziert die Restrukturierungsmaßnahmen. Das Verhältnis Kaufpreis zu Kapitalerhöhung wird fallbezogen verhandelt.

Welche Größenordnung von Sondersituationen übernimmt Tactical außerhalb der Insolvenz?

Typisch Umsatz €15–150M und 80–600 Mitarbeiter. Kleinere Sondersituationen prüfen wir bei strategischer Substanz oder regionalspezifischer Logik. Größere Sondersituationen erfordern oft Konsortien oder Bankenbeteiligung – auch das ist machbar.

Wie schnell muss eine Sondersituationen-Lösung umgesetzt werden?

Realistisch 10–20 Wochen von Erstkontakt bis Closing, je nach Komplexität der Eigentümerstruktur und Bankenkonstellation. Im konkreten österreichischen Fall: 14 Wochen vom LOI bis Closing. Je früher die Eigentümer den Schritt machen, desto besser sind die Konditionen für alle Seiten.

Wie geht Tactical mit österreichischen Spezifika im Sondersituationen-Erwerb um?

Wir haben einen festen Sitz in Wien und arbeiten regelmäßig mit österreichischen Restrukturierungsanwälten und Bilanzbuchhaltern. Wesentliche Unterschiede zum deutschen Verfahren: das österreichische Unternehmensreorganisationsgesetz (URG) bietet ein milderes Sanierungsverfahren, das oft als Brücke zur außergerichtlichen Lösung dient. Wir kombinieren beides je nach Fall.

Illustrative Tactical-Beispieltransaktion auf Basis typischer DACH-Mittelstand-Distress-Muster. Kennzahlen, Größenklassen und Zeitlinien entsprechen marktüblichen Werten; eine Identifikation mit einer konkreten Transaktion ist nicht beabsichtigt. Verfasst zur Veranschaulichung der Tactical-Methode.

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