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Case Study · Carve-out · Süddeutschland

€47M Umsatz stand-alone in 9 Monaten: Carve-out einer Maschinenbau-Sparte aus einem DAX-Konzern in Baden-Württemberg.

Nicht-strategische Maschinenbau-Sparte eines DAX-Konzerns mit €47M Umsatz und 290 Mitarbeitern. Vom Carve-out-Beschluss bis zum operativen Stand-Alone in drei Quartalen.

Year of Exit 2023 · Carve-out aus DAX-Konzern · 9 Monate

Im Wege eines Carve-outs übernahm Tactical Management AG 2023 eine nicht-strategische Maschinenbau-Sparte mit €47 Mio. Umsatz und 290 Mitarbeitern aus einem DAX-Konzern in Baden-Württemberg. In 9 Monaten wurde operative Stand-Alone-Fähigkeit hergestellt – inklusive eigener ERP-Infrastruktur, 350 neuer Lieferantenverträge und einer 12-Monats-Transition-Service-Agreement (TSA) mit dem Konzern. Keine Standortschließung, keine betriebsbedingten Kündigungen.

Diese Fallstudie dokumentiert einen klassischen Carve-out-Erwerb aus einem DAX-Konzern: eine technisch hochwertige, aber nicht-strategische Sparte, die unter konzerneigener Steuerung verkümmerte, weil sie weder die Investitions- noch die Aufmerksamkeitsschwelle der Mutterhalle erreichte. Mit einem klar definierten Stand-Alone-Plan und einer fairen Transition-Service-Agreement-Struktur wurde die Sparte in drei Quartalen operativ verselbstständigt.

Die Ausgangslage: Eine technisch starke Sparte ohne Konzernpriorität

Die Sparte produzierte Spezialmaschinen für die Verpackungsindustrie mit einer 40-jährigen Marktposition. Drei Werke in Baden-Württemberg, 290 Mitarbeiter, €47M Umsatz, EBITDA-Marge im niedrigen einstelligen Bereich.

Innerhalb des DAX-Konzerns rangierte die Sparte unter ‚Sonstige Aktivitäten‘. Sie war kein Verlustbringer, aber ihr Beitrag zum Konzern-EBITDA lag unter 0,3% – damit unterhalb der Schwelle, ab der Investitionen genehmigt werden. CapEx wurde drei Jahre lang nicht freigegeben. Die Belegschaft hatte Sorge, dass eine Verlagerung nach Osteuropa droht.

Der Carve-out-Beschluss des Konzern-Vorstands erfolgte in Q4 2022. Auswahlkriterien für den Käufer: Standort- und Beschäftigungszusagen, kein Strategic-Buyer-Wettbewerb (um Know-how-Abfluss zu vermeiden), Closing innerhalb von 12 Monaten.

Was wir taten: Stand-Alone-Architektur in drei Phasen

Phase 1 (Wochen 1–8): Indikatives Angebot und Carve-out-Architektur. Bewertung über DCF mit normalisierten Earnings, nicht über Konzern-Vergleichswerte. Strukturierung des Asset-Deals plus Transition Service Agreement (TSA) für IT, Einkauf, Buchhaltung und HR über 12 Monate.

Phase 2 (Wochen 9–24): Due Diligence, Carve-out-Vorbereitung und Closing. Parallele Workstreams: ERP-Migration (vom Konzern-SAP auf eigenes System), Lieferanten-Rekontraktierung (350 Vereinbarungen), Kunden-Rekontraktierung mit erhaltenen Rahmenverträgen, Bankenfinanzierung der Working-Capital-Linie.

Phase 3 (Wochen 25–40): Operativer Stand-Alone. Eigene Buchhaltung produktiv. Eigene IT-Infrastruktur. Eigenes Vertriebsteam. Volle Rechts- und Geschäftsfähigkeit ohne TSA-Abhängigkeit.

Kein Mitarbeiterabbau. Keine Standortschließung. Drei neue strategische Investitionen wurden im ersten Jahr nach Stand-Alone freigegeben – Investitionen, die innerhalb des DAX-Konzerns drei Jahre lang nicht möglich waren.

Signature-Element: Transition Service Agreement statt Cliff-Edge

Die kritische Engstelle bei Carve-outs ist nicht das Closing – es ist der Tag danach. Wenn IT, Einkauf, Buchhaltung und HR am Closing-Tag plötzlich nicht mehr funktionieren, brennt das übernommene Geschäft innerhalb von 60 Tagen aus.

Wir verhandelten einen 12-Monats-TSA mit dem Konzern, der die Verwaltungsfunktionen weiter bereitstellte – zu Selbstkosten plus Margin. Im Gegenzug verpflichteten wir uns zu definierten Migrationsmeilensteinen (ERP Q2, Einkauf Q3, HR Q4, Buchhaltung Q4).

Das TSA-Modell ist die Standard-Architektur für saubere Carve-outs aus DACH-Konzernen. Es schützt beide Seiten: der Konzern hat keine versteckten Garantieforderungen, der Käufer hat operative Kontinuität.

Transaktionsdetails

Jahr des Exits

2023

Geographie

Baden-Württemberg

Sektor

Maschinenbau (Spezialmaschinen)

Mandatstyp

Carve-out aus DAX-Konzern

Timeline

9 Monate (von LOI bis Stand-Alone)

Outcome

Operativer Stand-Alone-Betrieb

Kennzahlen

€47M

Umsatz übernommen

290

Mitarbeiter übernommen

0

Standortschließungen

Ablauf

Von der Sondierung zum Closing

01

Indikatives Angebot

Bewertung auf Pro-Forma-Stand-Alone-Basis (DCF), nicht über Konzern-Vergleichswerte. Standort- und Beschäftigungs-Zusagen vertraglich.

02

Carve-out-Architektur

Asset-Deal-Strukturierung plus 12-Monats-TSA für IT, Einkauf, Buchhaltung, HR – zu Selbstkosten plus Margin mit definierten Migrationsmeilensteinen.

03

Due Diligence

Kommerziell: Auftragsbestand und OEM-Kundenverträge übertragbar. Finanziell: Pro-Forma-EBITDA nach Eliminierung Konzern-Management-Fee. Technisch: Anlagen, Software, Patente.

04

Lieferanten-Rekontraktierung

350 individuelle Lieferantenverträge im Rahmen des Asset Deals neu aufgesetzt – inklusive Rabattstrukturen und Zahlungsziele.

05

ERP-Migration

Migration vom Konzern-SAP auf eigenes System in Q2-Q3. Parallelbetrieb für 90 Tage, dann Cut-over.

06

Bankenfinanzierung

Working-Capital-Linie mit zwei Schweizer Banken arrangiert. Konzern als Garant-Backstop für die ersten 12 Monate.

07

Operativer Stand-Alone

Eigene Buchhaltung produktiv. Eigene IT-Infrastruktur. Eigenes Vertriebsteam. Volle Rechts- und Geschäftsfähigkeit ohne TSA-Abhängigkeit. Drei CapEx-Genehmigungen Jahr 1.

Ergebnisse

Jeder Workstream geliefert

KennzahlVor MandatErgebnis
Umsatz €47M (innerhalb DAX-Konzern) €47M (Stand-Alone)
EBITDA-Marge ~3% ~7% (Jahr 1 nach Carve-out)
Headcount 290 290 (keine Reduzierung)
Standorte 3 in Baden-Württemberg 3 (keine Schließung)
CapEx-Freigaben pro Jahr 0 in 3 Jahren 3 Investitionen Jahr 1
TSA-Restbestand 0 nach 12 Monaten (alles migriert)

Häufige Fragen

FAQ

Was ist ein Carve-out aus einem DAX-Konzern und warum kommt es vor?

Ein Carve-out ist die Veräußerung einer Sparte oder Tochtergesellschaft, die nicht zum strategischen Kern des Konzerns gehört. Typische Auslöser: Portfolio-Schärfung (Konzentration auf Kernbereiche), Bewertungsbruch (Sparte zieht das Konzern-Multiple nach unten), CapEx-Konflikt (Sparte braucht Investitionen, die nicht priorisiert werden), oder Regulatorik (kartellrechtliche Auflagen). Für die Sparte selbst ist der Carve-out oft die Befreiung aus einer strukturellen Vernachlässigung.

Warum ist eine Transition Service Agreement (TSA) bei Carve-outs kritisch?

Operative Funktionen wie IT, Einkauf, Buchhaltung und HR sind in einem Konzern zentralisiert. Am Closing-Tag fehlen sie der übernommenen Sparte abrupt. Eine TSA verlängert diese zentralen Funktionen für 6–24 Monate gegen Selbstkostenerstattung, während der Käufer eigene Strukturen aufbaut. Ohne TSA brennt das übernommene Geschäft typisch innerhalb von 60 Tagen operativ aus.

Wie bewertet Tactical eine Carve-out-Sparte, wenn keine eigenen Abschlüsse existieren?

Durch Pro-Forma-Bilanzen: Wir rekonstruieren die Sparte als Stand-Alone-Entity mit normalisierten Earnings, indem konzerninterne Verrechnungen (Management-Fees, Transferpreise, Konzern-IT-Umlagen) zu Marktpreisen oder eliminiert werden. Die Differenz zwischen konzerninternem ‚EBIT-Beitrag‘ und realer Stand-Alone-EBITDA-Fähigkeit ist oft 200–500 Basispunkte – in beide Richtungen.

Welche Standort- und Beschäftigungszusagen gibt Tactical bei Carve-outs?

Wir geben sie vertraglich. Im konkreten Fall: keine Standortschließung über 3 Jahre, keine betriebsbedingten Kündigungen über 2 Jahre, Erhalt der Tarifbindung. Das ist nicht moralisch – es ist ökonomisch: Mitarbeiter und Standorte sind das Substrat der Wertschöpfung in einem Spezialmaschinen-Geschäft mit 40-jähriger Marktposition. Wer das verwertet, verbrennt den Käufer-Case.

Welche Größenordnung von Carve-outs übernimmt Tactical typischerweise?

Typisch Umsatz €20–250M und 100–800 Mitarbeiter. Kleinere und größere Sondersituationen prüfen wir fallbezogen. Wesentlich ist nicht die Größe, sondern die Stand-Alone-Fähigkeit nach Carve-out – also ob die Sparte technisch, kommerziell und organisatorisch eigenständig betrieben werden kann.

Wie lange dauert ein typischer Carve-out vom LOI bis zum operativen Stand-Alone?

Im konkreten Fall 9 Monate. Realistischer Korridor bei sauber geführten Carve-outs: 8–14 Monate. Die kritischen Phasen sind Carve-out-Vorbereitung (Pro-Forma, TSA-Aushandlung, Lieferanten- und Kunden-Rekontraktierung) und ERP-Migration.

Illustrative Tactical-Beispieltransaktion auf Basis typischer DACH-Mittelstand-Distress-Muster. Kennzahlen, Größenklassen und Zeitlinien entsprechen marktüblichen Werten; eine Identifikation mit einer konkreten Transaktion ist nicht beabsichtigt. Verfasst zur Veranschaulichung der Tactical-Methode.

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