Sachwerte. Substanz statt Papiervermögen.
Vermögen, das über drei Generationen tragen soll, hält keinen vollständigen Konjunkturzyklus in einem rein papierbasierten Portfolio aus. Diese Pillar-Seite ordnet unsere Beiträge zur Sachwert-Allokation, zum Inflationsschutz und zur Frage, warum physische Knappheit eine eigene Anlageklasse bleibt.
Warum Sachwerte für ein Family Office strukturell andere Funktionen erfüllen
Ein institutioneller Anleger, der gegenüber einem Benchmark allokiert, optimiert auf relative Performance über fünf bis sieben Jahre. Ein Family Office mit Permanent-Capital-Charakter optimiert auf etwas anderes. Auf den realen Kaufkrafterhalt über drei Generationen unter politischer und monetärer Unsicherheit. Diese beiden Optimierungsfunktionen führen zu fundamental unterschiedlichen Portfolio-Konstruktionen.
Sachwerte sind in dieser Logik kein Renditeinstrument im engeren Sinn. Sie sind ein Strukturelement. Eine direkt gehaltene Industriebeteiligung, ein landwirtschaftlich genutztes Grundstück in Niederösterreich, eine Edelmetallposition in einem schweizerischen Zollfreilager, ein Konvolut limitierter Single-Malt-Abfüllungen mit dokumentierter Provenienz. Diese Positionen haben gemeinsam, dass ihre Wertbasis nicht aus einem Versprechen einer Gegenpartei abgeleitet ist, sondern aus physischer oder rechtlicher Knappheit, die sich nicht durch Notenbankpolitik replizieren lässt.
Der monetäre Kontext bis 2030
Die EZB-Bilanzsumme hat sich seit 2008 von rund 1,5 Billionen Euro auf zeitweise über 8,8 Billionen Euro ausgedehnt. Der Rückbau verläuft langsamer als die Ausdehnung. Parallel dazu liegt die deutsche Staatsschuldenquote nach den Rüstungs- und Infrastrukturpaketen 2024 bis 2026 strukturell oberhalb von 75 Prozent des BIP. Die Schweiz ist in dieser Konstellation eine Ausnahme. Österreich folgt der deutschen Linie.
Aus dieser Konstellation ergibt sich für den Investor mit Generationenhorizont eine schlichte Frage. Welcher Anteil des Vermögens darf in nominalen Forderungen gegen Staaten und Banken gehalten werden, deren Refinanzierungsfähigkeit ohne fortlaufende Geldmengenexpansion zweifelhaft wäre. Die historisch belegte Antwort lautet, je nach Familie und Mandat, fünfundzwanzig bis fünfzig Prozent. Der Rest gehört in Substanz.
Was unter Substanz fällt und was nicht
Substanz im engeren Sinn umfasst direkte Unternehmensbeteiligungen mit Cashflow-produzierenden Vermögensgegenständen, Grundbesitz mit produktiver Nutzung, Edelmetalle in segregierter Verwahrung, dokumentiert seltene Sammlerstücke mit etabliertem Sekundärmarkt sowie kritische Rohstoffe in physischer Lagerung. Was nicht unter Substanz fällt, ist das, was wie Substanz aussieht. ETFs auf Rohstoff-Futures sind ein Derivat auf einen Derivatemarkt, in dem die Lagerhaltung extern bilanziert wird. Synthetisch replizierende Produkte, die in MSCI-World-ETFs fünfundsechzig Prozent US-amerikanische Großtechnologie konzentrieren, sind keine Diversifikation, sondern eine Wette auf eine Handvoll Unternehmen.
Bitcoin verdient eine eigene Einordnung. Die Argumentation der digitalen Knappheit ist in der protokollarischen Konstruktion zutreffend. Sie unterscheidet sich von physischer Knappheit in einem entscheidenden Punkt. Eine physische Goldbarrenposition in einem Zollfreilager existiert unabhängig von der Funktionsfähigkeit von Stromnetz, Internet und globaler Konsens-Infrastruktur. Diese Eigenschaft ist nicht ersetzbar.
Die regulatorische Dimension
Sachwert-Allokation ist in DACH steuerlich und gesellschaftsrechtlich nicht trivial. Die SFDR-Klassifizierung beeinflusst, welche Sachwert-Investments mandatsfähig sind. Das Erbschaft- und Schenkungssteuergesetz unterscheidet zwischen Privat- und Betriebsvermögen mit substanziellen Konsequenzen für die Begünstigungsfähigkeit. Die Schweizerische Mehrwertsteuer auf Edelmetalle, die Lagerregelungen im EU-Zollkodex, die landwirtschaftsrechtlichen Genehmigungspflichten in Bayern und Niederösterreich sind keine Detailfragen. Sie sind die eigentliche Strukturarbeit.
Wer Sachwerte ohne diese Strukturarbeit allokiert, schafft Vermögen, das im Erbfall einer Steuerquote ausgesetzt ist, die die kumulierte Realrendite mehrerer Jahrzehnte vernichtet. Dr. Tillmann Lauk koordiniert bei uns diese Strukturarbeit für die Family-Office-Mandate. Der Aufwand ist erheblich. Er ist nicht optional.
Die These. Wer in einem Mehrgenerationen-Mandat oberhalb von fünfundzwanzig Prozent in nominalen Forderungspositionen allokiert, verwechselt Liquiditätsillusion mit Sicherheit, und Sachwerte sind nicht das Renditebein eines solchen Portfolios, sondern dessen Fundament.
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