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Perspektiven · ClusterPillar-SeiteMai 2026

Family Office. Permanent Capital im Mittelstand.

Ein Family Office mit operativem Anspruch braucht eine Beteiligungsdisziplin, die mit Generationenhorizonten harmoniert. Diese Pillar-Seite ordnet unsere Beiträge zur Logik des Permanent Capital, zum Aufbau eines Mittelstandsportfolios und zur Frage, warum Vertrauen die eigentliche Bilanzposition ist.

Warum Family Offices und klassische Fonds inkompatibel werden

Die Mehrheit der mittelständischen Family Offices in DACH hat in der vergangenen Dekade Allokationen in geschlossene Private-Equity-Fonds aufgebaut. Das war zu jenen Marktbedingungen, in denen die Renditen aus Multiple-Expansion und Leverage-Arbitrage kamen, eine vertretbare Entscheidung. Diese Bedingungen bestehen 2026 nicht mehr. Die durchschnittliche Halteperiode in europäischen Mid-Cap-Fonds hat sich auf über sechs Jahre ausgedehnt. Die Exit-Märkte sind selektiv. Die Fund-of-Fund-Strukturen erzeugen Gebührenstapel, deren Brutto-Netto-Differenz substanziell geworden ist.

Aus der Sicht eines Family Office mit Permanent-Capital-Charakter bedeutet das. Die Allokation in geschlossene Fonds war eine Anpassung an einen Marktzyklus, nicht eine strukturelle Entscheidung. Die strukturelle Entscheidung wäre, das Beteiligungsportfolio so aufzubauen, dass die Halteperiode nicht durch eine Fund-Laufzeit begrenzt ist. Diese Entscheidung verändert die Auswahllogik der Targets, die Bewertungsbasis und die Governance.

Die Mechanik einer Mittelstandsallokation

Ein Mittelstandsportfolio mit Permanent-Capital-Charakter ist nicht ein Mid-Cap-Fund mit längerer Laufzeit. Es ist eine andere Anlageklasse mit eigener Mechanik. Die Auswahllogik privilegiert Cashflow-Stabilität über EBITDA-Wachstum. Die Bewertung orientiert sich an Substanz und freiem Cashflow nach Capex, nicht an einem Multiple auf normalisiertes EBITDA. Die Governance wird über Beirats- und Verwaltungsrats-Strukturen ausgeübt, nicht über Investitionsausschüsse mit Portfolio-Optimierungsmandat.

Die rechtliche Verpackung einer solchen Allokation ist in DACH nicht trivial. Die Direktbeteiligung über eine Holding-GmbH ist die einfachste Form, schafft aber bei größeren Volumina steuerliche und gesellschaftsrechtliche Komplexität. Die luxemburgische SCSp oder die schweizerische KmAG bieten alternative Wege, sind aber substanzfähig zu strukturieren. Die deutsche Einheitsstiftung nach §80 BGB neu, in der Reform 2023, eröffnet zusätzliche Optionen für Mehrgenerationen-Strukturen mit operativer Beteiligungstätigkeit. Welche Struktur die richtige ist, hängt nicht von Marketing-Argumenten ab, sondern von der Familiengröße, der steuerlichen Heimat und der gewünschten Governance.

Was Permanent Capital für ein Family Office leistet

Drei Funktionen. Erstens. Ko-Investment auf Augenhöhe. Ein Family Office, das selbst keine eigene Akquisitionsplattform unterhält, kann über ein Permanent-Capital-Vehikel Mid-Cap-Beteiligungen halten, ohne die Personal- und Compliance-Last einer eigenen Plattform tragen zu müssen. Die Voraussetzung ist, dass der Vehikel-Betreiber selbst nicht in geschlossener Fondslogik arbeitet. Zweitens. Generationenkompatibilität. Die Beteiligung kann über mehrere Stiftungs- oder Erbgenerationen gehalten werden, ohne durch eine Liquidation getrieben zu werden, die buchhalterische Steuerlasten oder Substanzbrüche auslöst. Drittens. Reputationsdeckung. Ein Familienunternehmer, der ein Lebenswerk verkauft, will wissen, an wen. Die Frage Wer steht hinter Ihrem Kapital ist im Mittelstand keine Höflichkeit. Sie ist die zweite Verhandlungsachse neben dem Preis.

Die operative Schnittstelle

Family Offices, die mit uns ko-investieren oder Mandate platzieren, finden bei Tactical Management eine Struktur, die sich von einem Mid-Cap-Fonds in zwei Punkten unterscheidet. Erstens. Wir geben Reporting in einer Detailtiefe, die familieneigene Beiräte als Eigentümer-Reporting weiterverwenden können, nicht in der summarischen Form eines Quartals-LP-Reports. Zweitens. Wir akzeptieren Halteperioden, die durch das Geschäft definiert werden, nicht durch eine Fund-Laufzeit. Marcus Köhnlein verantwortet die operative Begleitung der Portfolio-Beteiligungen. Dr. Tillmann Lauk koordiniert die rechtliche Strukturierung der Ko-Investment-Vehikel. Dr. Raphael Nagel führt die Verhandlungen mit Eigentümerfamilien.

Die These. Wer als Family Office im Mittelstand bleiben will, muss die Beteiligungsstruktur an die Halteperiode des Geschäfts anpassen, und Permanent Capital ist die einzige Kapitalstruktur, die diese Anpassung ohne ständige Refinanzierungsfriktion erlaubt.

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Pillar-Seite kuratiert von Dr. Raphael Nagel, Gründungspartner. Tactical Management operiert aus München, Wien und Baar (Zug).