Glossar
Permanent Capital. Definition. Kein Term Sheet entscheidet.
Permanent Capital ist eine Eigenkapitalstruktur ohne Fondslaufzeit. Die Halteperiode folgt aus der Lage des Unternehmens, nicht aus dem Vertrag eines geschlossenen Vehikels.
Definition
Was Permanent Capital ist.
Permanent Capital (auch: Evergreen Capital, dauerhaftes Eigenkapital) bezeichnet Eigenkapital, das ohne vertragliche Laufzeitbegrenzung in operative Beteiligungen investiert wird. Im Gegensatz zum klassischen Private-Equity-Fonds, der nach AIFM-Directive (Richtlinie 2011/61/EU) regelmäßig als geschlossener Alternative Investment Fund (AIF) mit zehnjähriger Grundlaufzeit plus Verlängerungsoptionen strukturiert ist, kennt Permanent Capital keine Pflicht zur Desinvestition. Die regulatorische Verortung kann unterschiedlich sein: Beteiligungsholdings nach AktG oder GmbHG, Schweizer Aktiengesellschaften, Listed Investment Companies, Family-Office-Strukturen, Evergreen-AIF nach AIFMD oder Pensionskassen-Direktbeteiligungen. Sobald ein AIF betrieben wird, greifen SFDR-Offenlegungspflichten, insbesondere die Klassifizierung nach Article 6, 8 oder 9 SFDR, sowie EU-Verordnung 2019/452 zum FDI-Screening. Die Branchenverbände BVK (Deutschland), AVCO (Österreich) und SECA (Schweiz) führen Permanent Capital seit Jahren als eigene Kategorie.
Abgrenzung
Was Permanent Capital nicht ist.
Permanent Capital ist kein klassischer geschlossener PE-Fonds. Es ist auch kein verlängerter Fonds. Eine Fondsverlängerung um zwei Jahre ändert die strukturelle Logik des Exit-Drucks nicht, sie verschiebt sie. Permanent Capital ist ferner kein Family Office im engeren Sinne, in dem ausschließlich privates Vermögen einer Familie investiert wird. Es ist kein Holdingverbund ohne Investmentdisziplin. Wer Permanent Capital als Synonym für unbegrenzte Toleranz versteht, verkennt die Struktur. Permanent Capital ist Disziplin ohne Frist. Wer Permanent Capital nur als Marketingbegriff für längere Halteperioden verwendet, ohne die Vehikelstruktur entsprechend aufzusetzen, betreibt nichts anderes als verlängerten Fondsbetrieb mit anderer Etikettierung.
Nicht die Frist entscheidet.
Die Lage des Unternehmens.
Strukturen
Wie Tactical Management Permanent Capital nutzt.
Tactical Management operiert aus Permanent Capital heraus. Die Halteperspektive ist langfristig und folgt der unternehmerischen Lage der Beteiligung. In der Investitionsthese bildet Permanent Capital die Voraussetzung dafür, dass die Plattformlogik tragfähig ist: Eine integrierte Plattform entsteht nicht binnen drei Jahren. Die Methodik setzt Permanent Capital voraus, weil Bewertung, Integration und Vertrieb in unterschiedlichen Zeithorizonten wirken. Operativ schlägt sich Permanent Capital in vier Punkten nieder: kein künstlicher Exit-Druck am Ende einer Laufzeit, keine Bewertungsoptimierung gegen Verkaufstermin, keine sukzessiven Sekundärtransaktionen mit dem einzigen Zweck der Liquidität, keine Personalfluktuation in der Trägergesellschaft an den Übergabepunkten. Operative Disziplin entsteht aus drei Schichten: Erwerb unter Wiederbeschaffungswert, Repositionierung in eine höhere Preisliga, und Plattformintegration. Damit unterscheidet sich der Tactical-Ansatz strukturell von klassischer PE-Logik.
Praxisbeispiele
Permanent Capital im Tactical-Portfolio.
Quarero Robotics verlangt eine technologische Reifungsphase, die im Rahmen einer klassischen Fondslaufzeit nicht abbildbar wäre. Die Karyali Group ist eine Generationen-Plattform, deren Wert sich erst über mehrere Konjunkturzyklen entfaltet. Die Paris Metropolitan University ist ein Bildungsasset, dessen Reputation und Akkreditierungslogik in Jahrzehnten denkt, nicht in Quartalen. In allen drei Fällen ist Permanent Capital die strukturelle Voraussetzung dafür, dass die Beteiligung überhaupt sinnvoll geführt werden kann.
Verwandte Begriffe
Im Glossar.
- Sondersituation — Strukturelle Verwerfung jenseits der Auktion.
- Carve-out — Operative Herauslösung aus dem Konzernverbund.
- Plattformlogik — Integrierte operative Einheit als Zielstruktur.
- Mittelstandsnachfolge — Eigentümerwechsel im inhabergeführten Mittelstand.
- Distressed M&A — Erwerb in finanzieller oder operativer Verwerfung.
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