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Glossar

Distressed Debt: Forderungen gegen Unternehmen in finanziellen Schwierigkeiten, die unter Nennwert gehandelt werden.

Wenn Banken ihre Kredite an Krisenunternehmen verkaufen, übernehmen spezialisierte Investoren. Für das Unternehmen ändert sich damit oft das Gegenüber am Verhandlungstisch.

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Kurz gesagt

Distressed Debt bezeichnet Kredite, Anleihen und andere Forderungen gegen Unternehmen in finanziellen Schwierigkeiten, die wegen des erhöhten Ausfallrisikos deutlich unter ihrem Nennwert gehandelt werden. Käufer sind meist spezialisierte Investoren, die auf eine Erholung, eine Beteiligung an der Restrukturierung oder die Übernahme des Unternehmens über seine Schulden setzen (Loan-to-own). Notleidende Kredite werden im Bankensprachgebrauch auch als Non-Performing Loans (NPL) bezeichnet.

Für Banken ist der Verkauf notleidender Kredite ein Weg, Risiken und Eigenkapitalbelastung zu reduzieren und Abwicklungsaufwand zu vermeiden. Für das betroffene Unternehmen kann das Chance und Risiko zugleich sein.

Ein Distressed-Debt-Investor ist häufig flexibler als eine Bank, etwa bei einem Debt-to-Equity-Swap. Er verfolgt aber eigene Renditeziele, die mit den Interessen der Gesellschafter nicht übereinstimmen müssen.

Stand: September 2026 · Verantwortlich: Dr. Raphael Nagel (LL.M.), Founding Partner

Strategien

Wie Distressed-Debt-Investoren vorgehen.

StrategieZielBedeutung für das Unternehmen
TradingKauf unter Nennwert, Verkauf nach KurserholungWenig Einfluss auf die Restrukturierung
Aktive RestrukturierungMitgestaltung von Plan, Laufzeiten und KonditionenNeuer, oft verhandlungsstarker Gläubiger
Loan-to-ownÜbernahme des Unternehmens über die Umwandlung der ForderungenWechsel der Eigentümer möglich, oft über StaRUG oder Insolvenzplan
Rescue FinancingNeue, vorrangige Finanzierung gegen hohe RenditeLiquidität, aber zu höheren Kosten

Typische Marktstrategien. Die Abgrenzung ist in der Praxis fließend.

Rechtlicher Rahmen

Was beim Handel mit Distressed Debt gilt.

Forderungen werden nach §§ 398 ff. BGB abgetreten. Das Bankgeheimnis steht der Wirksamkeit einer solchen Abtretung nach der Rechtsprechung des BGH grundsätzlich nicht entgegen. Kreditverträge und Konsortialverträge enthalten aber häufig Übertragungsbeschränkungen, etwa Zustimmungsvorbehalte oder Listen zulässiger Erwerber.

Seit dem 30. Dezember 2023 gilt das Kreditzweitmarktgesetz (KrZwMG), das die EU-Richtlinie 2021/2167 umsetzt. Es regelt den Verkauf notleidender Bankkredite und unterwirft Kreditdienstleister, die solche Kredite für Käufer verwalten, einer Erlaubnispflicht und Aufsicht durch die BaFin. Die rechtliche Prüfung im Einzelfall erfolgt durch spezialisierte Anwälte.

Beispiel

Beispiel aus der Praxis.

Beispiel (vereinfacht, fiktiv): Eine Bank hält einen Kredit über 20 Mio. Euro an einen angeschlagenen Automobilzulieferer und verkauft ihn für 12 Mio. Euro an einen Investor. Der Investor bietet den Gesellschaftern an, im Rahmen eines StaRUG-Restrukturierungsplans 10 Mio. Euro seiner Forderung in eine Mehrheitsbeteiligung umzuwandeln und zusätzlich 3 Mio. Euro neue Liquidität bereitzustellen. Die Gesellschafter müssen entscheiden, ob sie mitgehen oder eine Alternative mit eigenem Kapital oder einem anderen Investor suchen.

Häufige Fragen

Häufige Fragen.

Muss ein Unternehmen dem Verkauf seines Kredits zustimmen?

Nur wenn der Kreditvertrag das vorsieht. Viele Unternehmenskredite enthalten Zustimmungsvorbehalte oder Listen zulässiger Erwerber. Fehlen solche Klauseln, kann die Bank die Forderung grundsätzlich ohne Zustimmung abtreten.

Was bedeutet Loan-to-own?

Eine Strategie, bei der ein Investor Forderungen gegen ein Unternehmen gezielt kauft, um über eine Restrukturierung, etwa einen Debt-to-Equity-Swap, Eigentümer des Unternehmens zu werden.

Ist der Verkauf an einen Distressed-Debt-Investor schlecht für das Unternehmen?

Nicht zwingend. Investoren sind oft entscheidungsfreudiger als Banken und bereit, neue Mittel oder einen Schuldenschnitt anzubieten. Die Bedingungen sind aber in der Regel härter, und die Gesellschafter können ihre Position verlieren.

Wie können sich Gesellschafter vorbereiten?

Durch eine eigene, belastbare Planung und ein frühzeitiges Gespräch mit den Finanzierern, bevor Kredite verkauft werden. Wer selbst eine Lösung mit neuem Kapital vorlegen kann, verhandelt aus einer stärkeren Position.

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