Glossar
Sanierungskonzept: der belegte Plan, wie ein Unternehmen aus der Krise wieder wettbewerbsfähig wird.
Ein Sanierungskonzept beschreibt, warum ein Unternehmen in die Krise geraten ist und mit welchen Maßnahmen es nachhaltig saniert werden soll. Banken und Investoren machen neue Finanzierung regelmäßig davon abhängig.
Kurz gesagt
Das Sanierungskonzept bezeichnet eine schriftliche, nachvollziehbare Darstellung, die ausgehend von den Krisenursachen zeigt, mit welchen Maßnahmen ein Unternehmen seine Krise überwinden und wieder nachhaltig wettbewerbs- und renditefähig werden kann. Es enthält ein Leitbild des sanierten Unternehmens und eine integrierte Planung. In Deutschland orientieren sich Sanierungskonzepte meist am Standard IDW S 6 und an den Anforderungen der BGH-Rechtsprechung.
Ein Sanierungskonzept ist mehr als eine Planung. Es muss die Ursachen der Krise benennen, die Maßnahmen konkret beschreiben und zeigen, dass diese zusammen tatsächlich zum Ziel führen. Die Planung ist das Ergebnis des Konzepts, nicht sein Ersatz.
Die Anforderungen im Detail und unser Vorgehen beschreiben wir auf der Seite Sanierungskonzept nach IDW S 6.
Stand: September 2026 · Verantwortlich: Dr. Raphael Nagel (LL.M.), Founding Partner
Rechtlicher Rahmen
Warum Banken ein Sanierungskonzept verlangen.
Ein Gesetz schreibt das Sanierungskonzept nicht allgemein vor. Seine Bedeutung ergibt sich aus der Rechtsprechung. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (etwa BGH, Urteil vom 12. Mai 2016, IX ZR 65/14) können Kredite und Sicherheiten, die in der Krise gewährt werden, in einer späteren Insolvenz der Anfechtung nach § 133 InsO unterliegen. Schutz bietet ein ernsthafter Sanierungsversuch auf Grundlage eines schlüssigen, von den tatsächlichen Gegebenheiten ausgehenden Konzepts, das mindestens in den Anfängen schon umgesetzt ist und berechtigte Aussicht auf Erfolg begründet.
Der IDW-Standard S 6 in der Fassung von 2023 beschreibt die Kernbestandteile eines solchen Konzepts. Auch das StaRUG greift den Gedanken auf: Ein Sanierungsvergleich wird nach § 97 Abs. 1 StaRUG nicht bestätigt, wenn das zugrunde liegende Konzept nicht schlüssig ist oder keine vernünftige Aussicht auf Erfolg hat. Die rechtliche Prüfung im Einzelfall erfolgt durch Sanierungsanwälte.
- Beschreibung von Auftrag, Umfang und Basisinformationen
- Analyse der Krisenursachen und des Krisenstadiums
- Leitbild des sanierten Unternehmens
- Maßnahmen zur Bewältigung der Krise, mit Verantwortlichen und Zeitplan
- Integrierte Unternehmensplanung (GuV, Bilanz, Liquidität)
- Einschätzung der Sanierungsfähigkeit
Abgrenzung
Sanierungskonzept und Fortbestehensprognose.
Beide Begriffe werden oft verwechselt. Die Fortbestehensprognose beantwortet eine insolvenzrechtliche Frage: Ist die Fortführung in den nächsten zwölf Monaten überwiegend wahrscheinlich? Das Sanierungskonzept geht weiter und zeigt, wie das Unternehmen nachhaltig wettbewerbsfähig wird. Eine positive Fortbestehensprognose kann Teil des Sanierungskonzepts sein, ersetzt es aber nicht.
| Fortbestehensprognose | Sanierungskonzept | |
|---|---|---|
| Frage | Liegt eine Überschuldung vor? | Ist das Unternehmen nachhaltig sanierungsfähig? |
| Horizont | Zwölf Monate | Meist mehrere Geschäftsjahre |
| Maßstab | § 19 InsO, IDW S 11 | BGH-Rechtsprechung, IDW S 6 |
| Adressat | Geschäftsführung (Antragspflicht) | Banken, Investoren, Gesellschafter, Gericht |
Vereinfachte Darstellung. Keine Rechtsberatung.
Beispiel
Beispiel aus der Praxis.
Beispiel (vereinfacht, fiktiv): Ein Automobilzulieferer verliert einen Großauftrag. Die Banken verlangen vor einer Verlängerung der Linien ein Sanierungskonzept. Das Konzept zeigt als Krisenursachen die Abhängigkeit von einem Kunden und eine zu hohe Fixkostenbasis. Maßnahmen sind die Schließung eines Standorts, ein Programm zur Neukundengewinnung und eine Kapitalzuführung durch einen Investor. Die integrierte Planung weist nach, dass die Covenants ab dem zweiten Planjahr wieder eingehalten werden.
Häufige Fragen
Häufige Fragen.
Wer erstellt ein Sanierungskonzept?
Grundsätzlich die Geschäftsführung, in der Praxis meist mit Unterstützung von Restrukturierungsberatern. Banken verlangen häufig ein Gutachten eines erfahrenen, unabhängigen Erstellers, oft eines Wirtschaftsprüfers oder einer spezialisierten Beratung.
Muss ein Sanierungskonzept nach IDW S 6 erstellt werden?
Gesetzlich nicht. IDW S 6 ist ein Standard des Instituts der Wirtschaftsprüfer, der sich als Marktstandard durchgesetzt hat. Banken verlangen ihn häufig, weil er die Anforderungen der BGH-Rechtsprechung strukturiert abbildet. Für kleinere Unternehmen sieht der Standard ein angepasstes Vorgehen vor.
Wie lange dauert die Erstellung?
Das hängt von Größe, Datenlage und Komplexität ab. Für mittelständische Unternehmen sind einige Wochen realistisch. Bis dahin wird die Liquidität häufig über eine Stillhaltevereinbarung und eine 13-Wochen-Liquiditätsplanung gesichert.
Was kostet ein Sanierungskonzept?
Die Kosten hängen vom Umfang ab und werden meist nach Aufwand oder als Festbetrag vereinbart. Wichtiger als die Kosten ist die Frage, ob das Konzept von den Finanzierern akzeptiert wird. Ein Konzept, das Banken nicht tragen, ist teuer, egal was es gekostet hat.
Vertrauliches Erstgespräch
Begriff verstanden. Und jetzt die eigene Lage?
Drei Zeilen genügen. Der Gründungspartner meldet sich persönlich, vertraulich und mit einer konkreten Einordnung.
