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Glossar

Fortbestehensprognose: die Prüfung, ob ein Unternehmen die nächsten zwölf Monate überwiegend wahrscheinlich übersteht.

Die Fortbestehensprognose entscheidet darüber, ob eine bilanzielle Überschuldung auch eine insolvenzrechtliche ist. Sie ist damit eines der wichtigsten Dokumente für Geschäftsführer in der Krise.

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Kurz gesagt

Die Fortbestehensprognose bezeichnet die Beurteilung, ob die Fortführung eines Unternehmens in den nächsten zwölf Monaten nach den Umständen überwiegend wahrscheinlich ist (§ 19 Abs. 2 Satz 1 InsO). Fällt sie positiv aus, liegt keine insolvenzrechtliche Überschuldung vor, auch wenn das Vermögen die Schulden nicht mehr deckt. Im Kern ist sie eine Zahlungsfähigkeitsprognose auf Grundlage eines Unternehmenskonzepts und einer Finanzplanung.

Die Fortbestehensprognose ist die erste Stufe der zweistufigen Überschuldungsprüfung. Nur wenn sie negativ ausfällt, kommt es auf den Überschuldungsstatus zu Liquidationswerten an.

Wie wir die Planung erstellen, auf der die Prognose beruht, beschreiben wir auf der Seite Fortbestehensprognose erstellen.

Stand: September 2026 · Verantwortlich: Dr. Raphael Nagel (LL.M.), Founding Partner

Rechtlicher Rahmen

Was § 19 InsO verlangt.

Der Prognosezeitraum beträgt zwölf Monate. Er wurde durch das SanInsFoG zum 1. Januar 2021 eingeführt, durch das SanInsKG vom 9. November 2022 bis zum 31. Dezember 2023 vorübergehend auf vier Monate verkürzt und gilt seit dem 1. Januar 2024 wieder mit zwölf Monaten. Für die drohende Zahlungsunfähigkeit nach § 18 InsO ist dagegen in aller Regel ein Zeitraum von 24 Monaten maßgeblich.

Anforderungen an die Beurteilung beschreibt der Standard IDW S 11. Die Prognose muss dokumentiert, auf plausible Annahmen gestützt und bei wesentlichen Änderungen fortgeschrieben werden. Die rechtliche Beurteilung im Einzelfall erfolgt durch Sanierungsanwälte.

Aufbau

Woraus eine Fortbestehensprognose besteht.

Eine tragfähige Prognose folgt aus einem schlüssigen Unternehmenskonzept, nicht aus einer isolierten Tabelle.

  • Unternehmenskonzept mit Krisenursachen und Maßnahmen
  • Integrierte Planung aus GuV, Bilanz und Liquidität
  • Liquiditätsplanung über den gesamten Zeitraum, zu Beginn auf Wochenbasis
  • Dokumentierte Prämissen, etwa zu Aufträgen, Kosten und Finanzierungszusagen
  • Schriftliches, datiertes Ergebnis

Beispiel

Beispiel aus der Praxis.

Beispiel (vereinfacht, fiktiv): Eine GmbH weist nach hohen Verlusten ein negatives Eigenkapital von 1,5 Mio. Euro aus. Die Gesellschafter haben verbindlich zugesagt, ihre Darlehen mit Rangrücktritt stehen zu lassen, und die Hausbank hat die Kontokorrentlinie für 18 Monate verlängert. Die Planung zeigt, dass die Gesellschaft ihre Zahlungspflichten in den nächsten zwölf Monaten erfüllen kann. Die Fortbestehensprognose ist positiv, eine insolvenzrechtliche Überschuldung liegt nicht vor.

Häufige Fragen

Häufige Fragen.

Was ist der Unterschied zwischen Fortbestehensprognose und Fortführungsprognose?

Die Fortbestehensprognose ist ein insolvenzrechtlicher Begriff nach § 19 InsO. Die Fortführungsprognose im bilanzrechtlichen Sinn betrifft die Going-Concern-Annahme nach § 252 Abs. 1 Nr. 2 HGB. Im Sprachgebrauch werden beide oft gleichgesetzt.

Wie lange ist der Prognosezeitraum?

Zwölf Monate ab dem Prognosestichtag. Die vorübergehende Verkürzung auf vier Monate durch das SanInsKG ist am 31. Dezember 2023 ausgelaufen.

Was passiert bei einer negativen Fortbestehensprognose?

Dann wird ein Überschuldungsstatus zu Liquidationswerten aufgestellt. Übersteigen die Verbindlichkeiten das Vermögen, liegt Überschuldung vor. Die Geschäftsführung muss dann spätestens innerhalb von sechs Wochen Insolvenzantrag stellen (§ 15a Abs. 1 InsO), sofern die Überschuldung nicht vorher beseitigt wird.

Wer ist für die Fortbestehensprognose verantwortlich?

Die Geschäftsführung. Sie kann sich von Beratern oder Wirtschaftsprüfern unterstützen lassen, bleibt aber für die Beurteilung und die Einhaltung der Antragspflicht verantwortlich.

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