Glossar
Stillhaltevereinbarung: der befristete Verzicht von Gläubigern auf Kündigung und Vollstreckung.
Mit einer Stillhaltevereinbarung verschaffen Banken und andere Gläubiger einem Unternehmen in der Krise Zeit. In dieser Zeit wird ein Sanierungskonzept erarbeitet und über die künftige Finanzierung verhandelt.
Kurz gesagt
Die Stillhaltevereinbarung (englisch Standstill Agreement) bezeichnet einen Vertrag, in dem sich Gläubiger, meist die finanzierenden Banken, verpflichten, für einen befristeten Zeitraum bestehende Kredite nicht zu kündigen, Sicherheiten nicht zu verwerten und Linien nicht zu kürzen. Im Gegenzug sagt das Unternehmen Transparenz, regelmäßige Berichte und die Erarbeitung eines Sanierungskonzepts zu. Die Vereinbarung schafft Zeit, aber kein neues Geld.
Stillhaltevereinbarungen sind ein Instrument der außergerichtlichen Sanierung. Sie kommen typischerweise zum Einsatz, wenn Covenants gebrochen sind oder ein Kündigungsgrund droht und die Banken abwarten wollen, ob das Unternehmen sanierungsfähig ist.
Eine gesetzliche Grundlage im engeren Sinn gibt es nicht. Es handelt sich um einen frei verhandelten Vertrag nach allgemeinem Zivilrecht. Bei mehreren Banken wird das Stillhalten häufig mit einer Poolvereinbarung verbunden, damit keine Bank sich zum Nachteil der anderen besser stellt.
Stand: September 2026 · Verantwortlich: Dr. Raphael Nagel (LL.M.), Founding Partner
Inhalt
Was eine Stillhaltevereinbarung regelt.
Der Kern ist einfach: Die Gläubiger verzichten befristet auf die Ausübung von Rechten, die ihnen zustehen würden. Die Details entscheiden aber darüber, ob die gewonnene Zeit tatsächlich reicht.
- Laufzeit, oft einige Wochen bis wenige Monate, mit Verlängerungsoption
- Verzicht auf Kündigung, Fälligstellung und Verwertung von Sicherheiten
- Einfrieren der Kreditlinien auf dem aktuellen Stand (Status quo)
- Pflichten des Unternehmens: Liquiditätsplanung, Berichte, Sanierungsgutachten
- Beendigungsgründe, etwa neue Verzüge, Falschangaben oder ein Insolvenzantrag
- Gleichbehandlung der Gläubiger, oft über einen Sicherheitenpool
Rechtlicher Rahmen
Grenzen und Risiken.
Die Stillhaltevereinbarung ändert nichts an den Insolvenzantragspflichten. Tritt während der Laufzeit Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung ein, muss die Geschäftsführung nach § 15a InsO handeln. Verstreicht die Zeit ohne tragfähiges Konzept, verschiebt sich das Problem nur.
Für die Banken bestehen eigene Risiken. Lassen sie sich in der Krise zusätzliche Sicherheiten bestellen, können diese in einer späteren Insolvenz nach §§ 129 ff. InsO anfechtbar sein. Deshalb verlangen Banken regelmäßig ein Sanierungskonzept, etwa nach IDW S 6, bevor sie über die Stillhaltephase hinaus neue Zusagen geben. Die rechtliche Prüfung im Einzelfall erfolgt durch Sanierungsanwälte.
Beispiel
Beispiel aus der Praxis.
Beispiel (vereinfacht, fiktiv): Ein Maschinenbauer verfehlt zum Quartalsende den vereinbarten Verschuldungsgrad. Drei Hausbanken könnten die Kredite kündigen. Stattdessen schließen sie eine Stillhaltevereinbarung über drei Monate. Das Unternehmen liefert wöchentlich eine 13-Wochen-Liquiditätsplanung und beauftragt ein Sanierungsgutachten. Nach Vorliegen des Gutachtens verhandeln Banken und Gesellschafter über Waiver, Laufzeitverlängerung und einen Gesellschafterbeitrag.
Häufige Fragen
Häufige Fragen.
Bekommt das Unternehmen durch eine Stillhaltevereinbarung neues Geld?
In der Regel nicht. Die Stillhaltevereinbarung friert den Status quo ein. Neues Geld erfordert eine gesonderte Finanzierung, etwa eine Brückenfinanzierung, und setzt bei Banken meist ein positives Sanierungskonzept voraus.
Wie lange dauert eine Stillhaltevereinbarung?
Typisch sind einige Wochen bis wenige Monate, abhängig davon, wie lange die Erstellung des Sanierungskonzepts und die Verhandlungen voraussichtlich dauern. Verlängerungen sind üblich, aber an Bedingungen geknüpft.
Was passiert, wenn ein Gläubiger nicht mitmacht?
Eine Stillhaltevereinbarung bindet nur die Unterzeichner. Ein einzelner Gläubiger außerhalb der Vereinbarung kann weiter kündigen oder vollstrecken. Für diesen Fall bietet das StaRUG die Stabilisierungsanordnung, die Vollstreckungsmaßnahmen gerichtlich untersagen kann.
Ist eine Stillhaltevereinbarung dasselbe wie ein Waiver?
Nein. Mit einem Waiver verzichtet eine Bank auf die Rechtsfolgen eines konkreten Covenant-Bruchs. Die Stillhaltevereinbarung ist breiter angelegt und verschafft Zeit für eine umfassende Lösung. In der Praxis gehen beide oft Hand in Hand.
Vertrauliches Erstgespräch
Begriff verstanden. Und jetzt die eigene Lage?
Drei Zeilen genügen. Der Gründungspartner meldet sich persönlich, vertraulich und mit einer konkreten Einordnung.
