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Glossar

Factoring: der laufende Verkauf von Forderungen an einen Finanzierer gegen sofortige Liquidität.

Mit Factoring verkauft ein Unternehmen seine Forderungen aus Lieferungen und Leistungen an eine Factoringgesellschaft. Es erhält das Geld sofort statt nach 30, 60 oder 90 Tagen.

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Kurz gesagt

Factoring bezeichnet den fortlaufenden Verkauf von Forderungen aus Lieferungen und Leistungen an eine Factoringgesellschaft (Factor), die dem Unternehmen den Kaufpreis abzüglich eines Sicherheitseinbehalts und einer Gebühr sofort auszahlt. Beim echten Factoring übernimmt der Factor zusätzlich das Risiko, dass der Kunde nicht zahlt (Delkredere). Beim unechten Factoring verbleibt dieses Risiko beim Unternehmen.

Factoring verkürzt die Zeit zwischen Leistung und Zahlungseingang und senkt damit das gebundene Working Capital. Es wächst mit dem Umsatz mit, anders als eine feste Kreditlinie.

In der Krise ist Factoring ein wichtiges, aber auch sensibles Instrument. Es kann kurzfristig Liquidität schaffen, konkurriert aber mit den Sicherheiten der Banken, insbesondere mit Globalzessionen.

Stand: September 2026 · Verantwortlich: Dr. Raphael Nagel (LL.M.), Founding Partner

Arten

Welche Formen von Factoring es gibt.

FormMerkmalBedeutung
Echtes FactoringFactor trägt das Ausfallrisiko (Delkredere)Rechtlich Forderungskauf, Forderung verlässt die Bilanz
Unechtes FactoringUnternehmen trägt das AusfallrisikoWirtschaftlich eine Kreditfinanzierung
Offenes FactoringKunde wird über den Verkauf informiert und zahlt an den FactorStandardform, höchste Sicherheit für den Factor
Stilles FactoringKunde erfährt nichts, zahlt weiter an das UnternehmenDiskreter, aber strengere Anforderungen
Inhouse-FactoringDebitorenmanagement bleibt beim UnternehmenNur Finanzierung und gegebenenfalls Delkredere beim Factor

Übliche Marktbegriffe. Die Ausgestaltung ergibt sich aus dem jeweiligen Vertrag.

Rechtlicher Rahmen

Was rechtlich zu beachten ist.

Factoring ist in Deutschland eine erlaubnispflichtige Finanzdienstleistung nach § 1 Abs. 1a Satz 2 Nr. 9 KWG. Vertragliche Abtretungsverbote mit Kunden verhindern die Abtretung bei beiderseitigen Handelsgeschäften nach § 354a HGB nicht. Der Kunde darf aber weiterhin mit befreiender Wirkung an das Unternehmen zahlen.

Konflikte entstehen mit bestehenden Sicherheiten. Hat eine Bank alle Forderungen im Wege der Globalzession abgetreten bekommen oder bestehen verlängerte Eigentumsvorbehalte von Lieferanten, müssen die Rechte vor Beginn des Factorings abgegrenzt werden, meist durch Freigabe- oder Abgrenzungsvereinbarungen. In einer späteren Insolvenz gehören beim echten Factoring verkaufte Forderungen nicht mehr zur Masse. Die rechtliche Prüfung im Einzelfall erfolgt durch Sanierungsanwälte.

Beispiel

Beispiel aus der Praxis.

Beispiel (vereinfacht, fiktiv): Ein Großhändler hat 6 Mio. Euro offene Forderungen mit durchschnittlich 60 Tagen Zahlungsziel. Er führt echtes Factoring ein, der Factor zahlt 85 Prozent sofort aus, 15 Prozent werden als Sicherheit einbehalten und nach Zahlung der Kunden erstattet. Einmalig fließen rund 5,1 Mio. Euro Liquidität zu, abzüglich der Gebühren. Die Hausbank gibt die Forderungen aus ihrer Globalzession frei und reduziert im Gegenzug die Kontokorrentlinie.

Häufige Fragen

Häufige Fragen.

Was kostet Factoring?

Die Kosten setzen sich meist aus einer Factoringgebühr in Prozent des Umsatzes, Zinsen auf die ausgezahlten Beträge und gegebenenfalls einer Prüfgebühr zusammen. Die Höhe hängt von Kundenstruktur, Ausfallrisiko, Volumen und Leistungsumfang ab und wird individuell verhandelt.

Ist Factoring in der Krise noch möglich?

Häufig ja, weil der Factor vor allem auf die Bonität der Kunden und die Qualität der Forderungen schaut. Allerdings prüfen Factoringgesellschaften in der Krise genauer und verlangen oft offenes Factoring und höhere Einbehalte.

Was passiert mit Factoring in der Insolvenz?

Beim echten Factoring sind die verkauften Forderungen aus dem Vermögen des Unternehmens ausgeschieden. Beim unechten Factoring hat der Factor wirtschaftlich eine Sicherungsposition. Laufende Factoringverträge werden im Verfahren häufig mit dem Verwalter oder in der Eigenverwaltung neu aufgesetzt, um die Fortführung zu finanzieren.

Was ist Reverse Factoring?

Beim Reverse Factoring geht die Initiative vom Abnehmer aus. Ein Finanzierer bezahlt die Rechnungen der Lieferanten vorzeitig, der Abnehmer zahlt später an den Finanzierer. Für den Abnehmer verlängert sich so das Zahlungsziel, für den Lieferanten verkürzt es sich.

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