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Glossar

Working Capital: das im laufenden Geschäft gebundene Kapital aus Vorräten, Forderungen und Verbindlichkeiten.

Working Capital ist oft der schnellste Liquiditätshebel eines Unternehmens. Im Unternehmensverkauf entscheidet es zudem über den tatsächlichen Kaufpreis.

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Kurz gesagt

Working Capital (Umlaufkapital) bezeichnet das Kapital, das ein Unternehmen im laufenden Geschäft bindet. Im engeren Sinn, als Net Working Capital, berechnet es sich aus Vorräten plus Forderungen aus Lieferungen und Leistungen minus Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen. Je höher das Working Capital, desto mehr Liquidität steckt im operativen Kreislauf und steht nicht für andere Zwecke zur Verfügung.

In der Bilanzanalyse wird Working Capital auch weiter gefasst als Umlaufvermögen minus kurzfristige Verbindlichkeiten. In Restrukturierung und M&A ist die operative Definition üblich, weil sie zeigt, wie viel Geld im Geschäftsmodell selbst gebunden ist.

Wachsende Unternehmen brauchen mehr Working Capital, schrumpfende setzen es frei. In der Krise kehrt sich dieser Effekt oft um: Lieferanten verkürzen Zahlungsziele, Kreditversicherer kürzen Limits, und das Unternehmen muss mehr Working Capital finanzieren, obwohl der Umsatz sinkt.

Stand: September 2026 · Verantwortlich: Dr. Raphael Nagel (LL.M.), Founding Partner

Berechnung

Wie Working Capital gemessen wird.

Neben der absoluten Höhe ist die Umschlagsdauer entscheidend. Der Cash Conversion Cycle (CCC) zeigt, wie viele Tage zwischen der Bezahlung der Lieferanten und dem Zahlungseingang vom Kunden vergehen.

KennzahlFormelAussage
DSO (Days Sales Outstanding)Forderungen LuL / Umsatz × 365Wie lange Kunden im Durchschnitt zahlen
DIO (Days Inventory Outstanding)Vorräte / Materialaufwand × 365Wie lange Material und Ware lagern
DPO (Days Payables Outstanding)Verbindlichkeiten LuL / Materialaufwand × 365Wie lange das Unternehmen selbst Zahlungsziele nutzt
Cash Conversion CycleDSO + DIO minus DPOTage, die das Geschäft vorfinanziert werden muss

Vereinfachte Formeln. Für DIO und DPO wird je nach Branche auch der Umsatz oder die Herstellungskosten als Bezugsgröße verwendet.

M&A

Working Capital im Unternehmenskauf.

Beim Unternehmenskauf wird der Kaufpreis meist auf Basis eines normalen Working-Capital-Niveaus vereinbart, des sogenannten Working Capital Peg oder Zielwerts. Liegt das tatsächliche Working Capital am Closing darüber, erhöht sich der Kaufpreis, liegt es darunter, sinkt er. Bei einem Locked-Box-Mechanismus wird stattdessen auf einen Stichtag vor dem Signing abgestellt, und Mittelabflüsse an den Verkäufer werden ausgeschlossen.

In Sondersituationen ist Working Capital oft verzerrt, weil Lieferanten Vorkasse verlangen oder Lagerbestände abgebaut wurden. Wer kauft, muss den nachhaltigen Bedarf kennen und nach dem Closing finanzieren können. Mehr zum Ablauf unter Signing und Closing.

Beispiel

Beispiel aus der Praxis.

Beispiel (vereinfacht, fiktiv): Ein Hersteller mit 73 Mio. Euro Umsatz hat einen DSO von 70 Tagen. Durch konsequentes Mahnwesen und Anzahlungen bei Großaufträgen sinkt der DSO auf 55 Tage. Rechnerisch werden dadurch rund 3 Mio. Euro Liquidität frei (15 Tage × 0,2 Mio. Euro Umsatz pro Tag). Parallel werden Lagerbestände für Auslaufartikel reduziert. Die freigesetzten Mittel schließen die Finanzierungslücke, die die 13-Wochen-Planung gezeigt hatte.

Häufige Fragen

Häufige Fragen.

Ist ein hohes Working Capital gut oder schlecht?

Beides ist möglich. Ein hohes Working Capital zeigt eine gute Deckung kurzfristiger Verbindlichkeiten, bindet aber Liquidität. Ein sehr niedriges oder negatives Working Capital ist effizient, kann aber auf Zahlungsschwierigkeiten hinweisen. Entscheidend ist der Vergleich mit Branche und Geschäftsmodell.

Wie kann man Working Capital schnell reduzieren?

Durch schnelleren Forderungseinzug, Anzahlungen, Factoring, Abbau überhöhter Lagerbestände und verlängerte Zahlungsziele bei Lieferanten. In der Krise ist Letzteres oft schwierig, weil Lieferanten vorsichtiger werden.

Was ist Net Working Capital?

Die operative Kennzahl aus Vorräten plus Forderungen aus Lieferungen und Leistungen minus Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, oft ergänzt um weitere betriebliche Posten wie Anzahlungen. Sie wird insbesondere in M&A für die Kaufpreisanpassung verwendet.

Warum steigt der Working-Capital-Bedarf in der Krise?

Weil Lieferanten Zahlungsziele verkürzen oder Vorkasse verlangen, Kreditversicherer Limits streichen und Kunden ihrerseits später zahlen. Der Effekt kann einen Liquiditätsengpass erheblich verschärfen und sollte in der Liquiditätsplanung ausdrücklich abgebildet werden.

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